4. Archivexkursion

Wenn Quellenarbeit für die Urteilsfindung der Schüler fruchtbar gemacht werden soll, ist sie – sowohl in der Vorbereitung als auch in der Durchführung – sehr zeitintensiv, denn sie erfordert ein sehr ausgewähltes (Schneider 1994, 82) und gut erarbeitetes „Quellenarrangement“ (Pandel 1995, 20) mit möglichst hoher Perzeption. Projektarbeit oder exemplarisches Lernen im Archiv ermöglichen den Schülern dabei die „auratische Erfahrung“ (Pandel 1995, 19), die einen eigenständigen Quellenfund zum Erlebnis macht oder rufen die „elektrisierende Wirkung der ersten Begegnung mit gedruckten und ungedruckten Quellen im Archiv“ (Schneider 1994, 79) hervor.

Trotz dieser Erkenntnisse und vielversprechender Praxisbeispiele (Beispiele bei Weck 2004 und Schneider-Bönniger 2005) scheint „[d]as didaktische Potenzial außerschulischer Lernorte […] im bzw. für den Geschichtsunterricht bislang noch nicht sehr konsequent genutzt zu werden“ (Sauer 2006, 274).

Dieses Defizit könnte – neben den für die Organisation aller außerunterrichtlichen Lernangebote auftretenden organisatorischen und logistischen Problemen – auch daran liegen, dass die universitäre Lehrerausbildung das Angebot außerschulischer Lernorte nur unzureichend berücksichtigt. Tatsächlich beruht der erste ‚Archivkontakt‘ entweder auf Eigeninitiative, etwa für die Recherche einer Seminararbeit, oder erfolgt im Rahmen der hilfswissenschaftlichen Übung für Studierende des Gymnasiallehramts (§ 71 Abs. 2. LPO I (2002), die jedoch auch durch andere Teilgebiete wie Heraldik oder Paläographie abgedeckt werden kann. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Archive für viele Lehrkräfte „trotz eines Geschichtsstudiums wahrscheinlich […] noch „Neuland“ darstellen“ (Weck 2004, 158).

 

Daher erhalten Sie Gelegenheit, in Ihrem geschichtsdidaktischen Studium an einer Archivexkursion teilzunehmen. Diese werden vor Ort durch Archivpersonal durchgeführt und beinhalten folgende Themenschwerpunkte:

  • Überblick über die Räumlichkeiten (Lesesaal, Magazin, Technik-Räume usw.),
  • Erläuterung über die Arbeit im Archiv und das Berufsbild des Archivars,
  • Einblick in die Bestandssystematik eines Archivs (Provenienz- / Pertinenzprinzip),
  • Erläuterung der (grundlegenden) Archivalientypologie (Urkunden, Amtsbücher, Akten sowie Nachlässe) mit anschaulichen Beispielen,
  • Archiv und Schule – Möglichkeiten für Lehrkräfte und Schulklassen,
  • Organisatorischer Ablauf (Heuristik, Recherche, Aushebung, Arbeit im Lesesaal usw.) sowie eine
  • abschließende Führung durch das Magazin.

 

Durch diesen Besuch können tatsächlich ‚Schwellenängste‘ abgebaut werden und Sie als die zukünftige Geschichtslehrerin / als zukünftiger Geschichtslehrer sind vielleicht eher motiviert, eine Archivarbeit selbst in ihr unterrichtliches Handeln zu integrieren. Nur so kann es gelingen, dass „[…] dass jeder Schüler bis zum Abitur einmal die Gelegenheit gehabt haben sollte, ein Archiv hautnah kennen zu lernen“ (Weck 2004, 159).

 

Hier finden Sie detaillierte Informationen zu den einzelnen Archiven in Augsburg:

 


Literatur:

  • Pandel, Hans-Jürgen: Textquellen im Unterricht. Zwischen Ärgernis und Erfordernis. In: Geschichte lernen 46 (1995), S. 14-21, hier: S. 20.
  • Sauer, Michael: Geschichte und Geschichtsunterricht – Erfahrungen und Interessen. Ergebnisse einer Befragung von Geschichtsstudierenden. In: GWU 57,4 (2006), S. 266-274, hier: S. 274.
  • Schneider, Gerhard: Über den Umgang mit Quellen im Geschichtsunterricht. In: GWU 45 (1994), S. 73-90, hier: S. 82.
  • Schneider-Bönninger, Birgit: „Ran an die Quellen!“ Praxis Archivdidaktik – Das Wolfsburger Modell. In: ANN 9 (2005), S. 21-35.
  • Weck, Helmut: Archivpädagogik – eine Möglichkeit zur Quellenarbeit im Geschichtsunterricht. In: Beilner, Helmut / Langer-Plän, Martina (Hrsg.): Quellen in Geschichtswissenschaft und Geschichtsunterricht. Exemplarische Zugänge zur Rekonstruktion von Vergangenheit. Neuried 2004, S. 158-162.