5. Basistexte und Aufgaben

In diesem Modulteil können Sie Ihr erlerntes Wissen anwenden und überprüfen. Als inhaltliche Grundlage dienen Ihnen die Modultexte, die Sie vorher gelesen haben. Zusätzlich können Sie die Basistext heranziehen.

  • Grosch, Waldemar: Schriftliche Quellen und Darstellungen. In: Günther-Arndt, Hilke (Hrsg.): Geschichtsdidaktik. Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II. 2. Aufl. Berlin 2005, S. 63-73.
  • Reeken, Dietmar von: Quellenarbeit. In: Günther-Arndt, Hilke (Hrsg.): Geschichtsmethodik. Handbuch für die Sekundarstufe I und II. Berlin 2007, S. 154-168.

Zusammenfassung der Basistexte:

Die beiden Texte vermitteln einen Überblick über den grundlegenden Unterschied zwischen Quellen und Darstellungen. Dabei wird deutlich, dass ein quellenorientierter Geschichtsunterricht unabdingbar ist. Bei Darstellungen handelt es sich immer um ein „gegenwärtiges, also zeitgebundenes narratives Konstrukt“ (Grosch 2005, 64), was durch Schulbuchvergleiche oder mit Blick auf Forschungskontroversen (‚Historikerstreit‘) evident wird. Dennoch kann auf die Verwendung von Darstellungen nicht verzichtet werden (vgl. Langer-Plän 2003, 319), gerade wenn es um Orientierungswissen und Fakten geht. Die geschichtsdidaktische Forschung hat bewiesen, dass gerade der übermäßige Einsatz von Quellen, die nur der Illustration und Bestätigung von bereits gesichertem Faktenwissen dienen, entscheidend zur Demotivation der Schüler beiträgt (vgl. Rohlfes 1995, 583). Ferner wird die für quellenkritische Arbeit bedeutende Unterscheidung zwischen Tradition und Überrest erläutert und die Differenzierung zwischen Primär- und Sekundärquellen aufgezeigt.

Aufgaben:

Was versteht man unter einer Quelle nach einer gängigen Definition? Versuchen Sie, es in Ihren eigenen Worten zusammenzufassen!

Lösung

Definition Pandel Quellen: „Objektivationen und Materialisierungen vergangenen menschlichen Handelns und Leidens, die in der Vergangenheit entstanden sind, einer nachfolgenden Gegenwart vorliegen und narrative Aussagen über die Vergangenheit zulassen.“ (Pandel zit. nach: Grosch, Waldemar: Schriftliche Quellen und Darstellungen. In: Günther-Arndt, Hilke (Hrsg.): Geschichtsdidaktik. Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II. 2. Aufl. Berlin 2005, S. 63-91, hier: S. 64)

Ordnen Sie folgende Dokumente den verschiedenen Quellengattungen (Textquelle / mündliche Quelle / Sachquelle / Bildquelle) zu. Auch Mischformen sind möglich!

- ein 50-Mark-Geldschein
- Schedelsche Weltchronik von 1493
- der trojanische Sagenkreis
- die Urkunde über die Freilassung der Magd Sigena, Nürnberg 1050
- der Augsburger Dom
- Vertragstext des 2+4-Abkommens
- eine Tonscherbe
- ein Fabrikgebäude der ehemaligen Zwirnerei- und Nähfadenfabrik Göggingen (ZNFG)

Lösung
  • ein 50-Mark-Geldschein [Mischform: B/S/T]
  • Schedelsche Weltchronik von 1493 [B/T]
  • der trojanische Sagenkreis [M]
  • die Urkunde über die Freilassung der Magd Sigena, Nürnberg 1050 [T]
  • der Augsburger Dom [S]
  • Vertragstext des 2+4-Abkommens [T]
  • eine Tonscherbe [S]
  • ein Fabrikgebäude der ehemaligen Zwirnerei- und Nähfadenfabrik Göggingen (ZNFG) [S]

Sie haben auch den Unterschied zwischen „Überrest“ und „Tradition“ kennengelernt. Versuchen Sie, folgende Dokumente unter Berücksichtigung der jeweiligen Fragestellung einer Kategorie zuzuordnen:

- Einwohnerverzeichnis einer frühneuzeitlichen Stadt
- Bild der Kaiserproklamation in Versailles des preußischen Königs Wilhelm I. zum Kaiser des Deutschen Reiches am 18. Januar 1871
- römische Tonscherben
- Fundamente eines alten Bauernhofes
- Die ‚Erinnerungen‘ 1930-1982 von Altbundeskanzler Kohl

Lösung
  • Einwohnerverzeichnis einer frühneuzeitlichen Stadt [Ü]
  • Bild der Kaiserproklamation in Versailles des preußischen Königs Wilhelm I. zum Kaiser des Deutschen Reiches am 18. Januar 1871 [T]
  • römische Tonscherben [Ü]
  • Fundamente eines alten Bauernhofes [Ü]
  • Die ‚Erinnerungen‘ 1930-1982 von Altbundeskanzler Kohl [T]

Vergleichen Sie die beiden Schulbücher von 1952 und 1993! Schildern Sie, inwieweit Quellen im jeweiligen Geschichtsunterricht verwendet wurden bzw. werden!Was wurde weggelassen, was wurde ergänzt? Vergleichen und problematisieren Sie Unterschiede und Gemeinsamkeiten des darstellenden Texts!

Schulbuch von 1952: Bauer, Ida Maria et al. (Hrsg.): Der Mensch im Wandel der Zeiten. Geschichtsbuch für die deutsche Schule. Braunschweig u.a. 1952, S. 94-99.

Schulbuch von 1993: Bernlochner, Ludwig et al.: Erinnern und Urteilen 7. Geschichte für Bayern. Stuttgart 1933, S. 109-111.

 

 

Lösung

Im Schulbuch „Mensch im Wandel“ von 1950 findet sich im Kapitel „Augsburg und die Fugger“ keinerlei Quellenmaterial. Einzig ein Porträt von Jakob Fugger dem Reichen sowie Zeichnungen der Fuggerei und eines „alten Prachtwagens“ werden gezeigt. Diese finden aber keine Einbindung in den darstellenden Text. Es herrscht eine reine Geschichtserzählung vor, die lediglich durch einige Aufgaben „Zum Nachdenken und Mittun“ ergänzt wird. Das im darstellenden Teil wesentlich kürzer gehaltene Schulbuch „Erinnern und Urteilen“ von 1993 beinhaltet im thematisch vergleichbaren Kapitel „Verleger und Bankiers – die Fugger verkörpern ein neuartiges Unternehmertum“ zwei Text- und zwei Bildquellen, die durch „Arbeitsvorschläge und Fragen“ erschlossen werden können. Eine Aufgabe bestaht beispielsweise darin, das Verhältnis zwischen Jakob Fugger und Kaiser Karl V. anhand des vorliegenden Quellenmaterials beschreiben. Somit sollen die Schüler selbst zu einem Urteil über geschichtliche Prozesse gelangen, was 1950 noch nicht im Vordergrund des Geschichtsunterrichts stand.

Nach der Lektüre der Basistexte haben Sie Leistungspotenzial und Grenzen der Quellenarbeit im Geschichtsunterricht erfahren. Denken Sie über Ihre subjektive Erfahrung mit Quellen aus der eigenen Schulzeit nach („Wenn ich an Quellen denke, …“)

 

Literatur: Grosch, Waldemar: Schriftliche Quellen und Darstellungen. In: Günther-Arndt, Hilke (Hrsg.): Geschichtsdidaktik. Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II. 2. Aufl. Berlin 2005, S. 63-91.Langer-Plän, Martina: Problem Quellenarbeit. Werkstattbericht aus einem empirischen Projekt. In: GWU 54,5-6 (2003), S. 319-336.Rohlfes, Joachim: Arbeit mit Textquellen. In: GWU 46 (1995), S. 583-790.