2. Dimensionen des Geschichtsbewusstseins nach Pandel

Besonders bedeutsam – auch für die Pragmatik im Geschichtsunterricht – ist das strukturanalytische Modell von Pandel, welcher das Geschichtsbewusstsein in insgesamt sieben Dimensionen differenziert. Das Modell stellt den Versuch dar, Geschichtsbewusstsein operationalisierbar zu machen, um festzustellen, was dem Menschen – also auch dem Schüler – ‚bewusst‘ sein sollte, um historisch denken zu können.

 

Dimensionen des Geschichtsbewusstseins nach Pandel

 

Wie aus obiger Abbildung hervorgeht, teilen sich die von Pandel vorgeschlagenen und entwickelten Dimensionen des Geschichtsbewusstseins in einen geschichts- und einen gesellschaftsbezogenen Bereich auf. Dabei bilden Temporalbewusstsein, Wirklichkeitsbewusstsein und Historizitätsbewusstsein die Grundlage, gewissermaßen das basale Geschichtsbewusstsein. Die dem gesellschaftlichen Bereich zugeordneten Dimensionen können sich erst dann entwickeln, wenn jene Bewusstseinsebenen ausgebildet sind, mit denen die „drei fundamentalsten Differenzierungen“ (Pandel 1987, 132) vorgenommen werden:

Erst wenn diese drei Dimensionen entwickelt sind – wobei die Reihenfolge nicht den Entwicklungsprozess wiedergibt – können die weiteren vier gesellschaftlich-sozialen Dimensionen zum Tragen kommen:

Die Dimensionen des Geschichtsbewusstseins stellen jedoch nicht nur ein „kognitives Bezugssystem“ (Pandel 1987, 132) in der Wahrnehmung und Verarbeitung historischer Ereignisse, Prozesse und Zustände dar, sondern können im pragmatischen Sinne als Planungs- und Evaluationsinstrument für den Geschichtsunterricht dienen. Um einen möglichst ‚ganzheitlichen‘ und multiperspektivischen Unterricht zu konzipieren, kann der ‚Dimensionen-Check‘ eine wichtige Hilfe sein. Der vorgesehene Unterrichtsgegenstand wird dahin gehend überprüft, ob eine Dimension des Geschichtsbewusstseins angesprochen wird und wie sie durch die Beschäftigung mit dem konkreten Unterrichtsinhalt weiterentwickelt werden kann. Umgekehrt können die Dimensionen des Geschichtsbewusstseins aber auch als ‚Ideengenerator‘ benutzt werden, indem eine bestimmte Dimension herausgegriffen und ein historischer Gegenstand dazu ausgewählt wird, dessen inhaltliche Spannungen hinsichtlich der Dimension zur kontroversen Beschäftigung im Unterricht anregen (Bsp. Identitätsbewusstsein --> ‚Frieden von Versailles‘ oder historisch-politisches Bewusstsein --> Entwicklung des Frauenwahlrechts).

Literatur: