4. Gegenwartsbezug

„Wer über Vergangenes nachdenkt, also historisch denkt, denkt in seiner Gegenwart – also unter dem Einfluss von Gegenwartserfahrungen und Zukunftserwartungen. Geschichte ist immer gegenwärtiges Nachdenken über vergangenes menschliches Denken, Handeln und Leiden“ (Bergmann 2004, 37).

Demnach ist der Ursprung historischen Denkens ein – kollektiver oder persönlicher – Erinnerungsvorgang, der immer aus der Gegenwart heraus abläuft, also gegenwartsbezogen ist. Um Schülern transparent zu machen, wieso es sich lohnt, über historische Prozesse nachzudenken und warum dies für Gegenwart und Zukunft bedeutsam ist, hat sich im Geschichtsunterricht das Prinzip des Gegenwartsbezuges entwickelt.

Dies kann man auf drei unterschiedlichen Ebenen betrachten:

Letztlich dient der Gegenwartsbezug als Unterrichtsprinzip einer „historisch fundierten Gegenwartsorientierung“ (Sauer 2006, 92), nicht um die Vergangenheit darzustellen, sondern um diese als Ausgangslage für historisches Lernen zu nutzen. Die Schüler sollen durch die Anwendung dieses Unterrichtsprinzips lernen, dass Fragen, Darstellungen und auch das persönliche Orientierungsbedürfnis jedes Einzelnen immer zeitgebunden – und damit veränderbar – sind (vgl. Bergmann 2007, 91). Ein gegenwartsbezogener Geschichtsunterricht fragt nach Phänomenen und Ereignissen aus der Vergangenheit in Bezug auf deren Ursachen, Bedeutung und Auswirkungen auf die Gegenwart und die Zukunft und stellt sie in Beziehung zu aktuellen Geschehnissen. Darüber hinaus erforscht er die Präsenz von Historie im gesamtgesellschaftlichen Rahmen und orientiert sich an den Erfahrungen und Bedürfnissen von Schülern. Er dient des Weiteren als „Prüfstein für die schulische Bedeutsamkeit historischer Themen“ (Sauer 2006, 93) und kann bei der konkreten Unterrichtsplanung eine wichtige Hilfe sein (Zu denken wäre etwa an die Unterrichtskonzeptionen des nicht-chronologischen und chronologisch-gebundenen Geschichtsunterrichts sowie das Konzept der „Schlüsselprobleme“ und „Großen Fragen“, auf die Bergmann näher eingeht: Bergmann 2007, 99-103).

Literatur: